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10. Perspektiven

 10.1

  • - Jeder Unterhaltungsroman hat einen Erzähler, der die Geschichte erzählt. Der Autor kann die Perspektive ändern, aus der erzählt wird und kann somit verschiedene sogenannte Erzählperspektiven wählen. Eine Erzählperspektive ist also die Sicht aus der die Geschichte erzählt wird. Man unterscheidet prinzipiell vier verschiedene Erzählperspektiven: auktoriale, personale, neutrale Perspektive und die ich-Form.

  • Die früher (grob geschätzt bis in die Siebziger / Achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts) am meisten und auch heute noch oft gewählte Perspektive in belletristischen Werken dürfte wohl der auktoriale Erzähler gewesen sein. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er gewissermaßen allwissend ist. Ein auktorialer Erzähler ist nicht Teil der Geschichte, sondern betrachtet das Geschehen quasi von außen. Diese Sichtweise ermöglicht es dem auktorialen Erzähler, über den Dingen zu schweben und alle Figuren so zu bewegen, wie er es will. Darüber hinaus kann er in alle Köpfe sehen, weiß folglich, was die Romanfiguren denken, wissen und tun werden. Ein auktorialer Erzähler kann zwischen den Perspektiven der einzelnen Charaktere hin und her wechseln. Er ist außerdem derjenige, der das Verhalten der Charaktere kommentiert und begründet.

  • Eine ebenfalls sehr häufig gewählte Form - gerade in den letzten Jahren - der Perspektive ist die Ich-Form, also der Ich-Erzähler.

  • Der Ich-Erzähler erzählt die Geschichte aus seiner eigenen Sicht. Die Geschichte beschränkt sich also ausschließlich auf die Perspektive des Ich-Erzählers. Er kann also nicht in die Köpfe der anderen Figuren sehen, weiß also auch nicht, was diese denken, es sei denn, sie erzählen es ihm. Der Leser weiß also auch nur das, was der Ich-Erzähler weiß, oder was diesem als Teilnehmer der Geschichte mitgeteilt wird.

  • Der personale Erzähler schildert das Geschehen aus der Sicht einer oder mehrerer Romanfiguren. Im Gegensatz zum Ich-Erzähler schlüpft der personale Erzähler jedoch nicht in die Romanfigur selbst, sondern berichtet dem Leser, was die jeweilige Figur erlebt.

  • Der neutrale Erzähler nimmt nicht an der Geschichte teil, er gibt keine Kommentare ab, die den Leser durch die Geschichte führen würden. Der neutrale Erzähler zeigt also lediglich die eigentlichen Geschehnisse inklusive aller Dialoge, ohne die Gedanken oder Gefühle der Charaktere zu übermitteln.

 Übung:Schreiben Sie eine Kurzgeschichte von ca. 1500 Worten

einmal aus der Ich- und einmal aus einer anderen Perspektive!

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 10.2

  • - Die Perspektive legt fest, durch wessen Sinne der Leser eine Geschichte erlebt. Hat sich ein Autor in einer bestimmten Szene für eine bestimmte Perspektive entschieden, sollte er auch in dieser Szene bei dieser Perspektive bleiben. Ein hin- und herswitchen zwischen den Sinnen der Charaktere verwirrt den Leser und kann ihn aus der Geschichte schmeißen. Dabei ist zu vermeiden, dass man diese Sinneserlebnisse direkt anspricht, d.h. man sollte nicht schreiben, dass eine Figur dies oder jenes riecht, sieht oder hört, sondern man sollte den Vorgang, also das Erlebnis, an sich beschreiben.

Übung: Schreiben Sie die gleiche Szene aus zwei ver-

schiedenen Figuren heraus gesehen! Je zwei bis vier Seiten.

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11. Techniken und Kunstgriffe

 11.1

  • - Um dem Leser Zusammenhänge zu erläutern, ist es manchmal nötig, zurück zu blicken. Da hilft dem Autor hervorragend der Blick in die Gedanken der Charaktere. Es ist problemlos möglich, ohne weitere Erklärungen, mitten in einer Szene Gedankengänge einer Figur wiederzugeben und damit einfach und schnell eine kleine Rückblende einzubauen (gilt für den auktorialen Erzähler, aber nur eingeschränkt für Ich-Erzähler, weil hier eben nur der Blick in eine Gedankenwelt möglich ist, ähnliches gilt für die personalen Erzählformen).

  • So ein Blick in den Kopf der Handelnden ist ein wunderbarer Kunstgriff, der sogar noch mehr als nur eine Rückschau erlauben kann. Es ist zum Beispiel auch möglich, dem Leser durch die Gedanken eines Charakters Fachwissen oder andere Erkenntnisse zu präsentieren. Ist der Zweck erfüllt, steigt man genauso sang- und klanglos wieder aus den Gedankengängen aus und setzt die Szene fort.

  • In diesem Zusammenhang noch ein weiterer beliebter Kunstgriff bei der Romanschreiberei: Man lässt jemanden etwas denken, wobei er aber gleichzeitig etwas ganz anderes sagt. Das verrät viel über die Situation und den Charakter der Handelnden. Der Leser hat in solch einer Situation einen besseren Überblick, als die Beteiligten selbst, kann deshalb den Vorgang besser einschätzen, was ihn amüsieren kann, aber auch betroffen, oder besorgt werden lässt, je nachdem, was passiert. Wichtig dabei ist, dass der Leser sich überlegen fühlen kann.

 Übung 1: Lassen Sie eine Figur eine Handlung ausführen und schildern Sie dabei ihre gegensätzlichen Gedanken! Zwei Seiten.

Übung 2: Schreiben Sie einen Dialog, bei dem die Figuren anders reden, als sie denken! Eine Seite.

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 11.2

  • - Um eine Geschichte zum Leben zu erwecken, bedarf es unter anderem der bildreichen und eindrucksvollen Beschreibung auch kleiner und kleinster Details.

  • Nicht, dass dies im Vordergrund stehen sollte, oder dass man mit zu viel Detailverliebtheit eventuell sogar nervt, aber hie und da ganz subtil mal ein paar kleine Gimicks einstreuen, belebt eine Geschichte doch ungemein. Beispiele: Schweißtropfen stehen auf der Stirn, ein Lastwagen dröhnt vorbei, Radio dudelt im Hintergrund, in der Ferne hört man Hundegebell, Backgeruch liegt in der Luft, ein frischer Lufthauch wirbelt Blätter auf.

Übung:Erinnern Sie sich an vergangene Urlaube. Erleben Sie

einen schönen Tag nach und schreiben Sie drei Seiten darüber!

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12. Techniken der Dramaturgie

 12.1

  • - Ohne Spannung keine gute Geschichte! Spannung entsteht z.B. durch Konflikte um, für die Figuren, sehr wichtige Ziele. In dieser Konfliktbewältigung zeigen die Charaktere ihr wahres Gesicht und ihr höchstes Können und werden dadurch für den Leser transparent. Indem der Leser aber in der Lage ist, die Figuren zu verstehen, schaut er gleichzeitig auf ihr verborgenes Ich, auf ihr Innerstes und das versetzt ihn in die Lage, mit den Figuren mitzuleiden und Anteil an der Geschichte und den Schicksalen der Figuren zu nehmen.

  • Die Grundbedingungen um diese so fundamentale Spannung zu erzeugen, zu halten, zu steigern und schließlich aufzulösen sind:

  1. Eine gut durchgezeichnete, dreidimensionale Truppe an Personal, die in einen dramatischen Konflikt (es muss viel auf dem Spiel stehen) verstrickt ist und dabei nicht passiv verharrt, sondern dynamisch agiert. Figuren zeigen ihr wahres Gesicht, wenn sie zum Kampf gezwungen sind.

  2. Ein starkes Motiv von Protagonist und Antagonist, bei dem beide vollkommen unnachgiebig ihr Ziel verfolgen, denn nur wenn beide Parteien unerbittlich an ihrem Ziel festhalten, ist ein großer Konflikt unausweichlich - Nachgiebigkeit kommt nicht in Frage, sie würde den Konflikt ersticken. Dabei gehen beide willensstark, motiviert und bis zum Äußersten entschlossen vor - keiner scheut die Auseinandersetzung mit dem Gegner oder das Bewältigen von Schwierigkeiten und wirkten sie auch noch so unüberwindlich.

  3. Keine langatmige Vorgeschichte, sondern am besten gleich mit einem starken „hook“ loslegen, um den Leser mitzureisen. Den Leser gleich orientieren, um was es geht und möglichst früh den zentralen Konflikt eröffnen. Zusätzliche Konflikte und Schwierigkeiten können die Situation verschärfen.

  4. Eine starke Abhängigkeit zwischen Antagonist und Protagonist, sodass die gegnerischen Parteien gezwungen sind, den Konflikt auszutragen und ihm keinesfalls ausweichen können. Sie müssen unbedingt aneinander gebunden sein, wie auch immer.

  5. Eine erbitterte Gegnerschaft zwischen Protagonist und Antagonist, damit eine harte Auseinandersetzung auf dem individuell höchsten Leistungsniveau der Figuren garantiert ist. Dabei muss intelligent, entschlossen und kraftvoll gehandelt werden.

  6. Kampf der Parteien mit Angriff und Gegenangriff, in sich entwickelnden und stetig steigernden Konflikten, bei dem die Kontrahenten strategisch vorgehen und ständig auf die Attacken des Gegners reagieren müssen. Im Kampf zeigt sich der wahre Charakter der Figuren. In dem sich eine Auseinandersetzung verändert, windet und sich steigert, zwingt sie die Figuren sich dem Leser von allen emotionalen Seiten zu zeigen. Auf dem Höhepunkt eines Konfliktes sind die Figuren dann dadurch total entblättert, sie liegen dem Leser emotional offen.

  7. Eine gut orchestrierte Truppe von Nebenfiguren, als wichtige Helfer beider Parteien, die so aufgestellt sind, dass beide Gruppen etwa gleich stark sind. Eine schillernde, bunte und schlagfertige Truppe auf beiden Seiten bereichert die Story enorm.

  8. Eine vorantreibende Erzählung mit ständig neuen Highlights. Damit die Geschichte nicht statisch wird, müssen sich die Konflikte entwickeln und mit ihnen die Figuren. Findet keine Entwicklung statt, hätte man sich die Geschichte auch sparen können; wenn alles und jeder so bleibt, wie er / es war, entsteht gähnende Langeweile - der Tod einer jeden Geschichte.

  9. Hindernisse und Wendungen auf dem Weg zum unbedingt angestrebten Ziel des Protagonisten, sodass dieser gezwungen ist, seine volle Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Deshalb müssen diese Hindernisse auch gigantisch und fast unmöglich zu überwinden sein - nur wenn eine schier unlösbare Aufgabe dann doch noch gelöst wurde, ist der Leser mit seinem Helden zufrieden.

Übung: Schauen Sie sich einen Film an, aus dem Genre für

das Sie schreiben wollen und fassen Sie ihn zusammen!

a) Was ist das Besondere an den Figuren?

b) Um was geht es beim zentralen Konflikt?

c) Wie sieht die Kulisse aus?

d) Wo und wie geschehen Wendungen und Unerwartetes?

e) Was war für Sie besonders beeindruckend?

f) Wie wird der zentrale Konflikt gelöst?

g) Schreiben Sie Bonmots mit!

h) Was hätte man anders bzw. besser machen können?


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 12.2

  • - Die prinzipiellen Spannungselemente eines belletristischen Werkes sind: Konflikt, Gefühl, Geheimnis und Action. Wenn dann noch spannend, glaubhaft und lebhaft bunt geschrieben wird, macht der Autor schon vieles richtig.

 Übung: Schreiben sie eine dramatische Szene,

in der jemand sein Leben riskiert! Ca. vier Seiten.

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