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13. Sprache: Stil, Rechtschreibung und Grammatik

 13.1

  • - Literarische Texte sind der Ausdruck von kreativer Intelligenz und werden dementsprechend von der Leserschaft auf ihre Qualität hin kritisch beäugt. Eine gute Romanidee und ein daraus resultierender einzigartiger Plot ist das Eine, aber das genügt noch nicht, um ein Stück anspruchsvolle Literatur in die Welt zu setzen. Überaus wichtig ist es ebenfalls, eine anspruchsvolle Sprache zu wählen, wortgewaltig unter Einsatz gezielter Fremdwörter zu beschreiben und komplizierte Satzaufbauten mit Einschüben und Nebensätzen zu kreieren, dabei aber gleichzeitig ein harmonisches und zum Genre passendes Klangbild zu erzeugen (bitte hierzu die Wortschatzsammlungen im zweiten Teil dieses Lehrbuches beachten).

  • Auch kann man seine Leserschaft mit Gedankensprüngen, Handlungsraumwechseln und Rückblenden fordern - viele anspruchsvolle Leser wollen von komplizierten Texten herausgefordert werden und honorieren schwer zu lesende Literatur.

  • Gerade der letzte Satz fordert geradezu den Widerspruch.

  • Natürlich muss ein Text leserlich bleiben. Eine entsprechend hohe Anforderung an den Leser ist zudem noch Abhängig von der Zielgruppe für die man schreibt. Ein Arztromanheftchen kann man nicht mit „Der Blechtrommel“ vergleichen und deren Publikum halt eben auch nicht. Will man aber nicht als Trivialautor abgestempelt werden, sollte man eine anspruchsvolle Wortwahl und einen umfassenden Satzaufbau pflegen; schließlich hat der Autor „Der Blechtrommel“ Günther Grass ja auch den Literaturnobelpreis erhalten, von einem Autor von Romanheftchen ist das eher nicht zu erwarten.

  • Nun sind Preise natürlich ganz nett, erst recht, wenn es der höchste aller Literaturpreise ist, aber nur zu schreiben, um von berufener Stelle ausgezeichnet zu werden, ist sicherlich der falsche Ansatz. Die meisten Schriftsteller müssen von ihrer Kunst leben, da kann es nicht so ganz falsch sein, auf den Massenmarkt zu schielen und der speist sich nicht durch die relativ wenigen elitären Viel- oder Profileser, denen es gar nicht schwer genug sein kann. Will man also eher den Verkaufserfolg als einen Buchpreis, sollte man flüssig zu lesen und unterhaltend schreiben. Hie und da schließt ja das eine das andere nicht aus.

  • Übrigens: Startet man eine Schriftstellerkarriere, kann es sehr helfen, sich um eine Auszeichnung in Form eines Buchpreises zu bemühen. Einige schlaue Kollegen gehen dann so vor, dass sie sich die Ausschreibungen zu solch einem Buchpreis besorgen und speziell, unter Berücksichtigung der Bedingungen des ausgeschriebenen Preises, Texte verfassen. Sie schreiben also genau das, was die Jury später lesen will. Und um die Sache noch sicherer zu machen, reichen sie das so mundgerecht verfasste Buch dann auch noch selbst ein, oder lassen es schlauerweise von jemandem einreichen. Ob man diese Vorgehensweise empfehlen sollte ist unklar, gewinnt man allerdings auf diese Art und Weise oder wird auch nur Zweiter oder gar nur lobend erwähnt, sieht das in der Vita doch schon recht hübsch aus. Dieser Vitaeintrag dürfte auch der Grund sein, warum immer mehr Leute versuchen, einen Doktortitel zu machen und nicht das ehemals sinngebende Ziel einer Promotion, der Wissenschaft und damit der Menschheit zu dienen.

Übung: Nehmen Sie zwei Bücher aus verschiedenen Genre und ver-gleichen Sie die typische Sprache! Achten Sie dabei insbesondere auch auf das Klangbild des Textes! Eine Seite Gegenüberstellungen.
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 13.2

  • - Ein Romanautor ist auch Künstler, Poet und Dichter und als solcher sollte er sich verschiedener Stilmittel bedienen, wie Metaphern, Vergleichen, Hyperbeln und Personifikationen.

  • Autoren bemühen sich oft und richtigerweise um Vergleiche, um eine Aussage zu versinnbildlichen. Ein Vergleich und ebenso eine Metapher, sollten allerdings genau geprüft werden, ob sie einen Sachverhalt so richtig wiedergeben. Es ist schon ein sehr anderes Bild, wenn man Haar mit Sauerkraut oder mit Stroh vergleicht, obwohl beides negativ gemeint ist.

  • Zur Erklärung: Eine Hyperbel ist eine maßlose Übertreibung. Beispiel: Du säufst wie ein Loch und riechst wie ein ganze Stinktierfamilie. Bei einer Personifikation gibt der Autor leblosen Sachen eine Seele oder menschliche Züge: Meine Auto ist eine alte Hure, es säuft, raucht und manchmal bummst es sogar ein bißchen. Eine Metapher ist ein implizierter Vergleich. Beispiel: Sie war nur ein Strich in der Landschaft. Ein Vergleich erklärt sich von selbst, er setzt Dinge gleich. Beispiel: Ein Mann wie ein Baum. Beim Vergleich wird also, wie das Wort schon sagt, etwas mit etwas anderem verglichen, bei einer Metapher wird etwas mit etwas anderem gleichgesetzt, dabei entfällt im Gegensatz zum Vergleich der Vergleichsartikel „wie“, weil eine Metapher sofort den Platz der angesprochenen Sache (oder Sachlage) einnimmt: „Er war ein schwabbeliges Walross.“

  • Sinn und Zweck solcher Redefiguren ist es, dem Leser Bilder in den Kopf zu setzen. Gefundene Vergleiche müssen aber unbedingt daraufhin geprüft werden, wie passend sie zum Rest des Textes sind und ob sie nicht vielleicht lächerlich oder maßlos übertrieben daher kommen, auch alte Hüte, die schon tausendfach von anderen Autoren bemüht wurden, sollte man besser meiden.

  • Günstig ist es, wenn eine gewählte Redefigur gleich mehrere Eigenschaften der angesprochenen Sache versinnbildlicht.

  • Immer dann, wenn man als Autor das Gefühl hat, dass ein einfaches Attribut nicht reicht, um einen Sachverhalt, eine Person oder eine Sache bildlich genug zu beschreiben, sollte man prüfen, ob sich eine Redefigur anbietet. Dabei muss man sich bei jedem Attribut fragen, wie es genau ist, also: wie groß, wie lang, wie schlau usw und dann eine Redefigur konstruieren.

  • Oft geschieht dies erst beim Korrektur lesen und das ist auch vollkommen richtig so, denn wenn man eventuell gerade einen Lauf hat, was den Fortgang der Geschichte betrifft, sollte man schreiben (erst einmal die unwiederbringlich guten Ideen festhalten, bevor sie vielleicht verfliegen) und sich nicht durch Überlegungen, wie man diesen oder jenen Satz noch etwas besser drechseln könnte, aus dem Konzept bringen lassen.

  • Doch Vorsicht bei der späteren Überarbeitung: Es gibt sehr oft benutzte oder sehr bekannte Redefiguren (oft ist das das Gleiche), diese können abgedroschen sein und lassen den Leser gern abschätzig abwinken. Das Gegenteil kann aber auch schaden und aufgesetzt klingen, nämlich das zu Abgehobene, Künstliche. Da fragt sich der Leser, was soll denn der Quatsch. Auch übertreiben sollte man den Einsatz von Redefiguren nicht, vor allem nicht in einem Satz oder gar hintereinander weg. Und ein letztes noch: Vergleiche etc. sollten allgemeinverständlich sein und nicht auf Spezialwissen zurückgreifen, das man erst nachschlagen muss. Letzteres ist meist eine Art Selbstbeweihräucherung von geltungssüchtigen Autoren und kein guter Stil, wie diese vielleicht meinen.

  • All diese Redefiguren sollten mäßig, aber regelmäßig in kreativen Texten zur Anwendung kommen. Um so treffender sie sind und um so witziger sie wirken, um so besser war der Autor.

 Übung 1: Formulieren Sie je 5 Hyperbeln, Vergleiche und Metaphern!

Übung 2: Schreiben Sie eine Geschichte über eine Rattenstadt; Perso-nifizieren Sie die Tiere und berichten Sie über ihr Leben! Acht Seiten

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14. Nacharbeiten

 14.1

  • - Nachdem die Erstfassung vorliegt, sollte man ausgiebig und streng Korrektur lesen und das so um die fünf bis zehn mal mindestens, eher mehr! Jedes mal sollte gestrafft werden. Alleine bei der Zweitfassung sollten ca. 10 % des Textes dem Rotstift zum Opfer fallen. Das muss nicht immer so sein, ist aber ein guter Anhaltspunkt.

  • Viel Schriftsteller hassen das Korrektur lesen und das hat seine Gründe: Es ist nicht nur mühsam für den Autor nach eigentlich schon vollbrachter Tat, das Ganze sich noch einmal anzutun; es ist vor allem schwer, den geliebten Figuren, die man so mühevoll aufgebaut und die man so liebevoll ausgestattet hat, zu Leibe zu rücken, sind sie einem doch im Laufe der Geschichte so sehr ans Herz gewachsen. Aber da, wo der Schöpfer der Figuren vielleicht sich wehmütig erinnert, wie er die Figur dies oder das hat tun lassen, wird ein neutraler Beobachter eventuell nur müde gähnen.

  • Es hilft also alles nichts, man muss als Autor ein hartes Herz und eine scharfe Schere haben und objektiv gegenüber seiner eigenen Arbeit zur Tat schreiten. Also umarbeiten und kürzen da, wo schwache Stellen auszumachen sind, die Figuren unmotiviert handeln, oder wo sie nur blass charakterisiert sind, wo Langeweile herrscht oder Formulierungen falsche Bilder im Kopf des Lesers wecken könnten.

  • Es geht darum, mit den Augen eines Fremden das eigene Werk zu lesen, also einen unverklärteren Blick auf die Sache zu bekommen, deshalb ist es sicherlich gut, das Buch ein paar Wochen in die Schublade zu legen, sich mit ganz anderen Dingen zu beschäftigen und erst, wenn man es fast schon vergessen hat, es wieder raus zu holen, um es zu lesen, als sei es von einem anderen und nicht von sich selbst geschrieben.

  • Der Aha-Effekt lässt bei vernünftigen Leuten, die nicht zu sehr in die eigene Idee verliebt sind, nicht allzu lange auf sich warten.

  • Vielleicht hat das mit dem Spannungsbogen doch nicht so ganz geklappt oder die Charaktere sind blass geblieben, vielleicht sind auch unglaubwürdige Stellen zu finden, es fehlt ein roter Faden oder die Story ist nicht spannend genug, hat keine Highlights oder keine Action. Wie dem auch sei: Man kann wetten, dass man erneut jede Menge Verbesserungswürdiges findet und doch noch mal umschreiben muss.

  • Hilfreich kann es in diesem Zusammenhang sein, wenn man seine Arbeit laut ließt, oder besser noch aufzeichnet und sich das Gelesene selbst wieder vorspielt; auch denkbar und sinnvoll ist es, den Partner oder Freunde zu bitten, kritische Stellen laut zu lesen - ließt ein Fremder hört man auf jeden Fall eher, wo die Geschichte hängt und Schwächen zeigt.

  • Man muss einfach lernen den eigenen Stil, den Klang des Erzählers und der Figuren, den Aufbau der Geschichte und die Logik der Plotidee kritisch zu beurteilen und dann - und wenn's auch noch so schwer fällt - gnadenlos streichen und umschreiben. Jede noch so kleine Szene und jeder einzelne Dialog muss daraufhin abgeklopft werden, ob es nicht eine ausgefallenere oder amüsantere Lösung gibt, wobei alles auch noch intelligent und sinnvoll sein sollte. Man muss Beschreibungen farbiger und lebendiger machen, bis man sich sicher ist, alle Sinne des Lesers angesprochen zu haben, ohne dabei eine Lawine von Attributen und Adjektiven ausgelöst zu haben. Alle Handlungen und Beschreibungen müssen darüber hinaus logisch sein. Zwar verzeiht der Leser einiges an Übertreibungen, aber Unlogisches wird entdeckt und womöglich als Leserbrief dem Verlag vorgeworfen.

  • Hat man zunächst selbst ein paar mal Korrektur gelesen und sicherlich mehrfach umgeschrieben, kann man es schließlich auch fremden Probelesern anbieten, die angehalten sein sollten, kritisch zu sein, denn aus Lobhudelei von der nahen Verwandtschaft lernt man rein gar nichts und dadurch wird das Werk auch kein bisschen besser. Man muss schon den Mut haben und Fachleute, oder ambitionierte Laien, z.B. in Autorengruppen, anzusprechen. Will man nicht selbst als Autor auftreten, kann man einfach behaupten, man hätte die Arbeit eines anderen, sollte sie beurteilen und täte sich schwer damit.

  • Man muss natürlich aufpassen, wer da was, aus welchen Gründen sagt; einige Kollegen scheuen keine Angriffe, auch persönlicher Art:„Was für ein lahmer Scheiß“, gibt es da schon mal zu hören - alles abwägen und sacken lassen.

  • Und siehe da, diese Probeleser finden, trotzt all der vielen Vorarbeit, immer noch genug zu kritisieren - da darf man keine Diva sein. Ist man nicht völlig verblendet und von sich selbst eingenommen, sieht man in solchen Ratschlägen eher den Rat als den Schlag und berücksichtigt diese Kritik bei einer erneuten Überarbeitung - alles mühsam, aber da geht kein Weg daran vorbei. Wie gesagt, nicht alles was von Probelesern über ein Werk gesagt wird, ist abgewogen, sachlich und begründet, aber sollten sich mehrere Leute zu einer bestimmten Stelle ähnlich kritisch äußern, sollte man die Sache ernst nehmen und prüfen. Allgemein gehaltene Kritik allerdings bringt i.d.R. gar nichts. Man kann nur konkrete Mängel beseitigen, deshalb muss man seine Kritiker darum bitten, konkret zu werden. Es muss benannt werden, wo z.B. eine Figur nicht alles gibt, wo die Geschichte eventuell lahmt und wo es sprachliche Mängel geben könnte.

  • Natürlich kann man auch um positive Rückmeldung bitten, das macht man dann am besten, indem man seine Probeleser bittet jede Szene am Rande mit Schulnoten zu versehen; kumulieren sich bei mehreren Lesern an bestimmten Stellen schwache Noten, ist das natürlich ein deutliches Zeichen für Schwächen und ein klarer Anlass zur Überarbeitung.

  • Folgend eine Zusammenfassung der wichtigsten Kriterien beim Korrektur lesen in Frageform:

- Ist das Buch spannend, überzeugend und flüssig zu lesen (Klang)?

- Ist die richtige Perspektive gewählt worden?

- Gibt es Stellen, an denen die Geschichte hängt?

- Ist der erzählende Text überzeugend, kraft- und anspruchsvoll?

- Ist die passende Erzählersprache verwand worden und klingt der Text harmonisch?

- Sind die Redefiguren passend und originell?

- Gibt es leeres Geschwätz, das entfernt werden muss?

- Gibt es einen Hauptkonflikt mit Spannungsbogen?

- Hat die Erzählung Überraschungen, Hindernisse und Wendungen?

- Sind die Figuren optimal aufeinander abgestimmt, also orchestriert?

- Werden Gefühle gezeigt, speziell die der Hauptfiguren und diese auf den Leser übertragen?

- Kann der Leser sich mit einer Figur identifizieren?

- Werden die Figuren emotional von allen Seiten gezeigt?

- Sind die Figuren gut entwickelt und zielstrebig?

- Besitzen die Charaktere eine Leidenschaft?

- Kämpfen die Figuren unnachgiebig für ihr Anliegen?

- Sind die Figuren dreidimensional und abwechslungsreich?

- Hat sich mindestens der Protagonist fundamental verändert?

- Sitzen die Figuren in einem Boot, so dass sie den Konflikten nicht ausweichen können?

- Kämpfen die Figuren auf ihrer Maximalkapazität?

- Gibt es Gegensatzpaare?

- Standen die Figuren vor Dilemmas?

- Mischt sich der Erzähler nicht ein und bleibt neutral?

- Gibt es starke Konflikte und entwickeln diese sich?

- Ist das Thema erfüllt, also die Prämisse bewiesen?

- Sind die gefundenen Lösungen der Konflikte logisch, gerecht, überraschend oder witzig und sprechen sie Gefühle an?

- Waren alle Rückblenden nötig?

- Ist sinnvoll mit Symbolik gearbeitet worden?

- Sind die Beschreibungen konkret genug?

- Spricht die Geschichte alle Sinne an?

- Gibt es amüsante Stellen, die nicht aufgesetzt wirken?

- Sind die Dialoge spritzig, logisch, ideenreich und intelligent?

- Sind Szenen und Dialoge spannend und begründet?

- Wurde exakt recherchiert und Wissen nebenbei vermittelt?

 

 Übung 1: Lesen Sie Ihr Manuskript mehrfach und berichtigen Sie es! Gehen Sie dabei vorlaufende Liste durch und belegen Sie jeden Punkt mit einem Beispiel aus Ihrem Text! Je Tabellenpunkt min. ein Beleg.

Übung 2: Legen Sie Ihr Werk möglichst vielen Probelesern vor und lassen Sie jeden Abschnitt benoten! Besprechen Sie es mit diesen!

Übung 3: Überarbeiten Sie alle Abschnitte die von Ihren Probelesern keine Note 1 oder 2 bekommen haben!

Übung 4:Lassen Sie das korrigierte Werk von einer anderen Leser-gruppe bewerten und wiederholen Sie „Übung 3“!

Übung 5: Lesen Sie Teile Ihres Werkes öffentlich vor und stellen sie es zur Diskussion, schreiben Sie alle vorgebrachten Argumente mit! Arbeiten Sie sinnvolle Verbesserungsvorschläge in Ihr Werk ein!

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 14.2

  • - Beim Überarbeiten oder Umschreiben eines längeren Textes, wie es ein Unterhaltungsroman nun mal ist, sollte man streng zu sich selbst und seiner Arbeit sein und gnadenlos ausmisten. Gerade Anfänger tun sich aber damit recht schwer, sind sie doch der Meinung, dass ihre schöne Arbeit völlig umsonst war. Das ist falsch und zwar aus gleich mehreren Gründen: Erstens sollte man gestrichene Textpassagen nicht als verlorene Arbeit ansehen, denn alleine beim schreiben dieser Textstellen hat man gelernt und ist besser geworden. Zweitens merken professionelle Leser wie Lektoren schnell, wenn schwache und nichtssagende Texte einen Roman unnötig in die Länge ziehen sollen und womöglich das Schlimmste bewirken, was einem Autor eines unterhaltenden Textes passieren kann, nämlich Langeweile zu verursachen. Und drittens kann man oft aus den verbliebenen guten Textteilen dann eine wirklich gute Geschichte schreiben, vielleicht sogar mit ein paar der Gedanken der gestrichenen Texte. Also: Keine Angst und weg mit dem Langweiligen, dem Doppelten, dem Geschwätzigen und dem öden Palaver - was die Geschichte nicht voranbringt, oder anderweitig begründet werden kann (dazu an anderer Stelle mehr), muss weg.

 

Übung: Nehmen Sie einen Ihrer Texte und kürzen Sie ca. 20 %!

 

Entfernen Sie vor allem Adjektive und Adverbien!

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15. Formales und Geschäftliches

  15.1

  • - Wenn man nicht an sich und sein Werk glaubt, sollte man sich nicht dafür entscheiden Schriftsteller zu werden. Am besten man geht davon aus, dass man kurz über lang einen Bestseller landet. Aber wie wahrscheinlich ist das eigentlich?

  • Im Schnitt erscheinen im Jahr ca. 100000 neue Bücher im deutschsprachigen Raum. Das sind circa 400 an jedem Arbeitstag in Deutschland, Österreich und der Schweiz - eine beeindruckende Zahl. Da kann man sich vorstellen, wie viel Prozent davon Bestseller werden.

  • Noch beeindruckender ist die Zahl der eingesandten Manuskripte. Da wundert es kaum, dass so manch gute Arbeit unbeachtet bleibt. Deshalb sollte man nicht verzweifeln, wenn die ersten Absagen eintrudeln, oder seitens der Verlage erst überhaupt nicht reagiert wird.

  • Selbst aller größte Erfolge wurden zunächst schnöde verachtet (z.B. auch Harry Potter) und die Größten der Zunft waren gezwungen sich selbst zu verlegen (so auch z.B. Johann Wolfgang von Goethe).

  • Schlimmer wird die ganze Situation in letzter Zeit durch die Vorgehensweise der Verlage, eher ausländische Talente zu akzeptieren, sodass nur ca. ein einziges Prozent der neu verlegten Bücher auf deutsche Erstlingswerke entfallen. Gut, da muss man auch die Verlage verstehen: Ein Buch, das es im Ausland schon zu Ruhm gebracht hat, wird sich aller Voraussicht nach, auch auf dem heimischen Markt durchsetzen und Geld in die Kassen spülen.

  • Wenn man als Schriftsteller im deutschsprachigem Raum Erfolg haben möchte, sollte man sich erstens gut ausbilden lassen (Gott sei Dank wächst die Zahl der öffentlichen und privaten Anbieter von Schreibseminaren und Studiengängen stetig) oder zumindest sich gut autodidaktisch vorbereiten (z.B. mit diesem Lehrbuch hier) und jede Menge Geduld mitbringen. Klar muss jedem sein, der sich auf ein solches Abenteuer einlässt, dass er über Jahre hinweg nicht sich selbst, geschweige denn eine Familie, ernähren kann, also auf einen gut verdienenden Partner, seine Eltern oder den berühmten Erbonkel aus Amerika mit einer Ölquelle im Vorgarten angewiesen sein wird.

  • Fühlt man sich allerdings berufen und bekommt man auch positives Feedback aus berufenem Munde, sollte man versuchen sich durchzusetzen, aber Ehrlichkeit sollte dann auch schon sein: Merkt man, dass man doch nicht so berufen ist, wie man anfänglich geglaubt hat, ist es sicherlich sinnvoll, einen Beruf zu erlernen, der seinen Mann auch ernähren kann; das Schreiben kann ja immer noch ein wunderschönes Hobby bleiben und wer weiß … Spätberufene gibt es gerade in der Romanschreiberei jede Menge, was wahrscheinlich auch damit zusammen hängen mag, dass ein älterer Mensch nun mal deutlich mehr erlebt hat, als ein Jüngerer und dementsprechend auch mehr und Interessanteres zu berichten weiß.

  • Die Konkurrenz ist überdies auch noch groß. Allein im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller sind über 5000 Mitglieder gemeldet, hinzu kommen noch mal über 1000 Mitglieder des freien deutschen Autorenverbandes und noch einige mehr bei kleineren Verbänden oder unorganisierte Schriftsteller, sodass Kürschners deutscher Literatur-Kalender weit über 12000 Kolleginnen und Kollegen der schreibenden Zunft auflistet. Wie viele sogenannte freie Schriftsteller da noch oben drauf kommen, weiß kein Mensch so genau und jeder müht sich und hofft auf den großen Wurf. Entmutigen sollte das allerdings niemanden. Wer an sich glaubt und es sich irgendwie leisten kann, sollte es probieren, so muss er sich später nicht selbst vorhalten, dass er es erst gar nicht versucht hätte. Dass das Leben von der Schriftstellerei kein Zuckerschlecken ist, dürfte klar sein; wenn´s dann aber geklappt hat, ist die Genugtuung ein echter Schriftsteller zu sein, um so schöner.

 

 Übung:Fragen Sie jemanden nach einem skurrilen Satz

 und machen Sie ein Kurzgeschichte daraus! Fünf Seiten.

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 15.2

  • - Den Leser zu überzeugen, von sich als Autor und von der Qualität und Realitätsnähe des Buches ist äußerst wichtig, denn wenn man nicht zu den ganz großen des Metiers gehört, hat so mancher potentielle Kunde erst einmal Vorbehalte.

  • Überzeugend wirkt da immer die eigene Vita, die ja bei jedem Buch im Vorspann oder neben dem Klappentext zu finden ist. Hier sollte man möglichst überzeugend anführen, welche Ausbildung man hinsichtlich der Schreiberei hat - ein wenig angeben hat da noch nie geschadet.

  • Eine weitere beliebte Methode ist es, die ein oder andere Figur des Romans selbst als Germanisten, Journalisten etc. arbeiten zu lassen, und bei der Gelegenheit ein bisschen mit Fachvokabular aus der schreibenden Zunft zu glänzen, so dass die Leser davon überzeugt sind, dass der, der da schreibt, ein Fachmann ist - das beseitigt erste Zweifel am schriftstellerischen Können. Doch Vorsicht auch hier: Gerade professionelle Leser kennen diesen Trick zu genüge und wenn ein Autor glaubt, er müsse nur mit großen Namen um die Ecke kommen, um sich selbst zu erhöhen, reagieren manche Entscheider in den Verlagen allergisch.

  • Das dieser kleine Kunstgriff nicht der Wahrheit letzter Schluss ist, und dass dann in den Texten des Buches noch mehr und vor allem schriftstellerische Qualität kommen muss, um als versierter Schriftsteller anerkannt zu werden, dürfte wohl jedem klar sein.

 

Übung: Schreiben Sie Ihre Vita zum Klappentext! Eine halbe Seite.

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