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4. Die Charaktere

 4.1

  • - Man kann Charaktere kategorisieren und damit eine Grundlage für eine bestimmte Figur finden.

  • Prinzipiell unterscheidet man in der Fachwelt drei Haupttypen von Menschen, ergo Romanfiguren, die es aber so, in absoluter Reinform, kaum geben kann. Dies wären demnach: – der Denker, - der Athlet, - der Genussmensch.

  • Der Denker ist ein eher schwachbrüstiges Wesen, das sich voll über seinen Verstand definiert. Er ist feingliedrig und körperlich nicht besonders belastbar, glänzt aber mit Wissen und Geist.

  • Der Athlet ist ein leistungsstarker Held, der sich über seinen muskulösen Körper definiert. Er kennt keine Gnade mit sich oder anderen. Er hat ein gewisses Maß an Intelligenz, setzt sich aber Hauptsächlich durch seine mächtige Energie und Leistungsbereitschaft durch.

  • Der Genussmensch ist ein gutmütiger Moppel, der es ruhig angehen lässt und dem Genuss und Komfort wichtig sind. Er kommt massig daher und liebt es eher bedächtig. Obwohl er nicht gerade ein Leistungsträger ist, ist er mit seiner gemütlichen Art liebenswert und wird als Kumpel geschätzt.

  • So weit zu den theoretischen Grundtypen. Aber, wie schon gesagt, gibt es diese in Reinform so gut wie nie, deshalb ist es sinnvoll, sich Gedanken zu machen, wie viel Anteil vom einen oder anderen eine bestimmte Figur hat. Zu diesem Zweck zeichnet man ein Dreieck, dessen drei Spitzen jeweils die Reinform der Grundtypen symbolisieren. Will man jetzt eine bestimmte Figur einordnen, muss man sich für eine Stelle innerhalb des Dreiecks entscheiden, die der Mischung der Grundtypen zu dieser bestimmten Figur am ehesten entspricht. Ist also die zu definierende Figur eher ein Athlet, dann wird die Position des Punktes eher zur Spitze „Athlet“ tendieren, hat die Figur noch ein bisschen vom Denker, dann wandert der Punkt etwas zur Spitze „Denker“ hin, und so wird irgendwann für eine bestimmte Figur eine genaue Lage des Definitionspunktes erreicht und man sieht leicht, welche Mischung die betreffende Figur ist. Eine Solches Typendreieck sollte man als sinnvolles Hilfsmittel zu jeder Biographie (Steckbrief) anlegen, dann genügt in Zukunft ein schneller Blick, um eine Basisinformation zu dieser Figur zu haben. Das mag bei häufig auftretenden Figuren, die der Autor sowieso sehr gut kennen sollte, nicht ganz so wichtig sein, aber für viele Neben- oder Randfiguren ist das ein gutes Hilfsmittel.

  • Man kann dieses Grundprinzip der Typenklassifizierung noch erweitern und würde dann eventuell ein Viereck, Fünfeck oder gar Sechseck erhalten. Sollte man ein Vieleck mit mehr als drei Typen anlegen, ist es sinnvoll für jede Spitze des Typenvielecks einen von der Mitte ausgehenden Strich zu vergeben, der dem Charakter der Figur entspricht, um so länger der Stich dann auf die jeweilige Spitze zugeht, um so mehr Anteil von dieser Charaktereigenschaft hat die Figur. Es entsteht ein unregelmäßiger Stern (Typenstern) innerhalb des Vielecks. Als Alternative könnte man genausogut zwei Typendreiecke verwenden und dann wieder nur einen Punkt pro Dreieck setzen.

  • Weitere prägnante und immer wiederkehrende Typen könnten z.B. sein: Der Kriminelle, Der Zartbesaitete, Der Überkorrekte.

  • Der Kriminelle ist ein eher kleiner hinterhältiger Typ, der nur seinen Vorteil sucht und dem es egal ist, ob andere einen Schaden durch ihn haben. Er ist wendig, wie eine Katze und immer fluchtbereit.

  • Der Zartbesaitete ist ein linkischer Spargeltarzan, der unbeholfen alles fallen lässt, sich schnell angegriffen fühlt und dann zur Larmoyanz tendiert, er ist mitfühlend und hilfsbereit.

  • Der Überkorrekte ist ein durchschnittlich gebauter, gepflegter Typ, der besonders viel Wert auf Sauberkeit und Etikette legt. Er ist eher unsportlich, dafür besserwisserisch und daher nervig.

Übung 1: Zeichnen Sie zu jeder Ihrer geplanten Figuren je zwei Typendreiecke mit je drei Grundeigenschaften! Min zehn Figuren.

Übung 2: Zeichnen Sie ein Typensechseck mit Typenstern je Figur!


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 4.2

  • - Eine Methode, Menschen und Romanfiguren einzuordnen, ist die, über ihre Lebensprinzipien zu gehen und ihnen so eine Art Etikett zu verpassen.

  • Lebensprinzipien sind die Hauptmotive nach denen ein Mensch, also auch eine Roman-Charakter sein Leben ausrichtet.

  • Es mag deren unendlich viele Kombinationen geben und sicherlich haben Menschen durchaus nicht nur ein Leitmotiv, aber es gibt immer wiederkehrende Motive, mit denen man einen Großteil der Gesellschaft erfassen kann, als da wären:

 

1. Reichtum erlangen

2. helfen wollen

3. Macht erlangen

4. Herausforderungen meistern

5. mit der Natur in Einklang sein

6. fromm nach Erlösung streben

7. Erkenntnisse erlangen

8. soziales Engagement zeigen

9. Gesetz und Ordnung anstreben

10. körperliche Leistung bringen

11. korrekt sein und seine Pflicht erfüllen

12. Körperliche Perfektion erreichen

13. handwerklich geschickt sein

14. intellektuelle Leistung bringen

15. das Schöngeistige lieben

16. berühmt werden

 

 

 

  • Möglicherweise ließen sich noch weitere Motivationen finden, nach denen Menschen und Figuren sich selbst und ihr Leben ausrichten (bei Bedarf bitte die Leerzeilen mit weiteren Motiven füllen), aber mit oben genannten Leitmotiven und den denkbaren Kombinationen daraus deckt man wohl sicher über 90% der Gesellschaft ab.

 

 Übung: Charakterisieren Sie zu jedem der vorgenannten Lebens-

prinzipien eine passende Figur! Je Figur ca. zehn Zeilen.

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5. Die Kommunikation der Figuren

5.1

  • - Gute Dialoge machen einen Roman erst richtig erlebbar, sie sind ein Stück Realität und vermitteln Wahrhaftigkeit.

  • Ein guter Dialog ahmt allerdings die Realität nur nach, er ist immer idealisiert, also informativ, aber dicht, deshalb verzichtet er auf Dehnlaute und ist so immer zum Teil künstlich, also auf das Wesentliche verkürzt.

  • Dabei ist es eine trickreiche Technik, die Antworten in einem Dialog nicht immer absolut passgenau zu formulieren, das ist realistischer, denn auch im wahren Leben geben sich die Unterhaltenden oft von der eigentlich gestellten Frage abweichende Antworten. Verwirrende Antworten machen einen Dialog interessanter, denn der Leser macht sich Gedanken darüber, was eine solche Antwort soll, man zwingt ihn also dazu, sich mit der Situation zu beschäftigen.

  • Dieser Kunstgriff muss allerdings äußerst sparsam angewendet werden, sonst ärgert man den Leser nach dem Motto: Immer diese Blödheiten, kein Mensch macht das ständig!

 

Übung: Formulieren Sie einen Dialog in dem eine Partei der

anderen ausweichende Antworten gibt! Eins bis zwei Normseiten.

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5.2

  • - Die direkte Rede ist ein wunderbares Element, um in einer Szene kleine abgeschlossene Geschichten zu erzählen; dabei können Charaktere vorgestellt oder präzisiert werden, es können Einstellungen, Vorlieben und viele andere Eigenschaften der Figuren dem Leser vermittelt werden; auch kann man Vergangenes aufblühen lassen und soziale Strukturen und Verbindungen der Figuren untereinander klären.

  • Natürlich gibt es auch Mischungen daraus, so kann ein freundlich begonnener Dialog plötzlich kippen und zu einer strittigen Auseinandersetzung werden.

  • Ein konfrontativer Dialog kann mit einer Provokation, also einem Paukenschlag beginnen und kurz und prägnant sein. Das ist aber eher die Ausnahme. Normalerweise sollte ein Dialog sich langsam, in verschiedenen Eskalationsstufen, entwickeln und Spannung aufbauen, die Teilnehmer sollten sich gegenseitig die Bälle zuspielen und sich im Laufe des Gesprächs zu gegenseitigen Steigerungen zwingen. Dabei müssen wichtige Informationen erst allmählich einfließen - nicht zu früh alles Pulver verschießen. Die einzelnen Worte sollten wirken, sodass der Leser ahnen sollte, worauf alles hinausläuft und eine gewisse Vorfreude oder auch Angst (um die Figur, mit der er sich identifiziert) entwickeln; das macht einen starken Dialog spannend.

 

Übung: Entwickeln Sie je ein Streitgespräch zu folgenden

Themen: a) Sport b) Politik c) Glauben d) Autos

c) Familienplanung d) Beruf e) Besitz f) Erziehungsfragen

g) Urlaubsplanung h) Liebesleben ! Je eine Normseite.

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6. Szene und narrativer Text

 6.1

  • - In der Literatur unterscheidet man prinzipiell drei Erzählformen: Erzählung, Szene und Halbszene.

  • Die reine Erzählung ist ein summarischer Bericht über Handlungen, Figuren und deren Konflikte. Die Szene schildert den natürlichen Hergang incl. aller Dialoge, meist in direkter Rede. Die Kombination aus beidem nennt man eine Halbszene.

 

Übung:Entwerfen Sie eine Halbszene in der sich zwei Freundinnen

in einem belebten Café unterhalten! Zwei bis vier Normseiten.


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 6.2

  • - Reine Erzählungen, die zusammenfassend Ereignisse wiedergeben und auch über die Figuren, deren Konflikte und Entwicklungen nur berichten sind eher selten.

  • Eine Szene beschreibt einen Verlauf, so wie er in der Realität in etwa ablaufen würde, dabei werden kürzere erklärende Passagen mit direkter Rede verbunden. Alles wird verkürzt und idealisiert.

  • Die Halbszene kombiniert Erzählung und Szene.

  • Für welche Erzählform man sich entscheidet, ist natürlich Geschmackssache, wobei reiner Erzähltext wohl die passivste ist und es deshalb dem Autor schwerer macht, die Geschichte lebendig wirken zu lassen und dem Leser das Gefühl zu geben, er sei bei den Ereignissen direkt dabei. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass diese Art in Reinform so gut wie nie gewählt wird.

  • Szenisches Schreiben mit seiner direkten Rede ist hingegen viel natürlicher und macht es dem Leser leichter, nicht nur Beobachter, sondern Teilnehmer einer Geschichte zu werden.

  • Einzelne Szenen werden durch sogenannte Überleitungen mit einander verknüpft.

  • In der Praxis zeigt sich, dass die Maximalanforderung an eine Szene, nämlich der dramatische Aufbau mit sich linear steigerndem Konflikt, nicht durchgängig durchzuhalten ist, manchmal tut es auch weniger, so kann es rein informative Gespräche geben oder einen freundlichen Austausch, sowie Kennenlernsituationen, bei denen ein sich steigernder Konflikt nicht vorkommen muss.

 

Übung: Schreiben sie eine aufregende Halbszene über

eine aufwändige Rettungsaktion! Zwei bis vier Normseiten.

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