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7. Das fiktionale Umfeld einer belletristischen Arbeit

 7.1

  • - Die Auswahl der Kulissen, vor der die Handlung spielen soll, ist sehr wichtig. Deshalb ist eine intensive Recherche auf jeden Fall anzuraten.

  • Kann man sich ein gewähltes Sujet nicht persönlich ansehen, sollte man auf Filme und Bücher zurückgreifen.

  • Ist man vor Ort, muss man den Mut haben, Leute anzusprechen, die einem vielleicht wertvolle Zusammenhänge oder Details über den Standort berichten können, oder die einen hinter die Kulissen blicken lassen - gerade dieser Blick hinter die Kulissen ist für den späteren Leser sehr interessant. Kann man sich vielleicht vorher tel. anmelden, ist oft mehr möglich.

  • Zusätzlich sollte man sich immer mit Fachleuten kurzschließen und Fachbücher studieren, um über spezifische Sachverhalte im Bilde zu sein und diese dann auch bei der Niederschrift des Romans zum Besten zu geben.

  • Trotz aller Möglichkeiten der multimedialen Gesellschaft ist Vorortrecherche immer vorzuziehen, denn nur vor Ort kann man Sinneswahrnehmungen machen, die ein geschriebener Bericht nie bieten kann, wie: Gerüche, Oberflächenstrukturen, Geräusche, Lichtstimmungen, vorherrschendes Wetter, vorkommende Tiere, soziale Strukturen, lokale Besonderheiten, temporäre Besonderheiten. Nur mit diesen wertvollen Details wird die Geschichte glaubwürdig, lebensnah und bunt, was von der Leserschaft allgemein als hochwertig klassifiziert wird, nach dem Motto: „Der Meister zeigt sich im Detail.“

  • Aber wie so oft gilt auch hier: Vorsicht vor zu viel des Guten! Überbordende Detailverliebtheit ärgert den Leser letztendlich und bremst den Handlungsfluss der Geschichte aus.

Übung:Beschreiben Sie einen Spaziergang. Beziehen Sie

Tageszeit, Wetter und Landschaft mit ein! Ca. drei Seiten.


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 7.2

  • - Der Rahmen - Hintergrund, Schauplätze, Milieu - der Geschichte sollte, soweit dies die Handlung irgendwie erlaubt, außergewöhnlich, also interessant und auf keinen Fall langweilig sein. Das betrifft zum Beispiel Landschaften, Städte, Fahrzeuge aber auch das soziale Umfeld.

  • Spielt eine Szene dennoch im alltäglichen Raum, muss sie aber noch lange nicht langweilig beschrieben sein. Selbst im Alltäglichen sollte ein guter Autor noch Reizvolles, Bemerkenswertes oder Stimmungsvolles finden, nicht krampfhaft und aufgesetzt, aber unbedingt unterhaltend und nicht bloß buchhalterisch aufzählend. Und das dürfte sogar die große Kunst sein, nämlich auch dann mit seinen Texten unterhaltend zu sein, wenn es einmal um nichts Weltbewegendes oder Großartiges geht, denn dass man über Alltäglichkeiten auch mal berichten muss ist klar und gerade dann zeigt sich der wahre Meister.

Übung: Gehen Sie durch die Stadt und fotografieren Sie drauf los (Häuser, Tiere, Menschen, Situationen etc.)! Wählen Sie zehn Bilder aus und erfinden Sie eine Geschichte dazu in der jedes Foto exakt so, wie Sie es geschossen haben, vorkommt! Vier bis sechs Normseiten.

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8. Soziale Zusammenhänge und gesellschaftliches Umfeld

 8.1

  • - Romanfiguren bewegen sich in einem fein gesponnenen gesellschaftlichen Koordinatensystem, sind also eingebunden in einen gesellschaftlichen Kontext. Innerhalb dieses gesellschaftlichen Kontextes bewegt sich die Handlung, sie ist durch diesen bestimmt und begrenzt.

  • Durch die Handlungen während des Fortschreitens der Geschichte, kann das gesellschaftliche Umfeld verändert werden. Dabei kann der Protagonist durch Aufstieg oder Abfall seine gesellschaftliche Situation wechseln, oder es könnte sich sein Umfeld selbst über einen gewissen Zeitraum änderen.

  • Durch starke Sondereinflüsse kann ein solcher Mikrokosmos auch komplett zerstört oder grundlegend umgebaut werden (z.B. Abriss eines Viertels, Pleite eines Arbeitgebers oder Krieg).

  • Die Veränderung des sozialen Umfeldes, die innerhalb einer Geschichte gezeigt wird, ist für den Leser interessant und kann das Hauptthema eines Romans sein („Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque). In diesem Falle könnte man sagen, dass das im Buch gezeigte soziale Gefüge an die Stelle des Protagonisten oder Antagonisten tritt.

  • Neben den Veränderungen, die die Haupthandelnden während einer Geschichte durchmachen sollten, ist die Veränderung des sozialen Umfeldes ein wichtiges Spannungselement, dass den Sinn eines Buches ausmachen kann.

 Übung:Gehen Sie in eine Kneipe und beobachten Sie die ganze Szenerie. Versuchen Sie einen älteren Gast zu befragen, wie früher alles war. Machen Sie sich Notizen und schreiben Sie später über Ihren Eindruck und über Ihre Gespräche! Ca. je ca. drei Normseiten.

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 8.2

  • - Als Autor von belletristischen Büchern, sollte man dem Leser immer einen umfassenden, abwechslungsreichen und vielfältigen Mikrokosmos anbieten.

  • Diese abgeschlossene kleine Welt gibt dem Leser in seiner Lesezeit die Möglichkeit, der Wirklichkeit zu entfliehen. Er taucht ein in eine andere Welt, nimmt eine neue Identität an und wird Mitglied dieser eigenen kleinen Gesellschaft von Figuren, mit denen er dann außergewöhnliche Erlebnisse teilt, die ihm sein normales Leben nie bieten würde.

  • Der Leser will bestenfalls eingebunden sein, in die soziale Verästelungen, die ihm der Autor schildert. Gelingt dieser Kunstgriff, wird der Leser sich jedes mal diebisch freuen, wenn er wieder das Buch zur Hand nimmt und weiß, dass er jetzt zu seinen Freunden im Buch zurückkehren darf, und er wird das Ende hinaus zögern, nur kleine Häppchen lesen, um möglichst lange diesen Genuss auskosten zu können.

  • Gelingt einem Autor dies, wird er sicherlich weiter empfohlen, erarbeitet er sich eine eingeschworene Fangemeinde und kann Fortsetzungen und weitere Bücher am Markt platzieren.

 Übung:Schildern Sie ein Arbeitermilieu! Ca. drei Normeiten.


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9. Stimmung, Gefühle, Atmosphäre

 9.1

  • - Der Leser käuft sicherlich in erster Linie ein Buch, weil er Interesse am Thema und am Genre hat und beim Probelesen auf spannende Handlung und einen interessanten Plot gestoßen ist. Soll der betreffende Roman aber weiterempfohlen werden, müssen die Figuren unbedingt ihren Teil dazu beitragen, und nur dann wird aus dem Buch auch eventuell ein Bestseller.

  • Also muss man sagen, dass die Figuren wesentlich zum Erfolg eines belletristischen Werkes beitragen und das tun sie, indem sie nicht nur das Interesse der Leserschaft wecken, sondern auch Gefühle wie Sympathie und Antipathie wecken und dem Leser darüber hinaus eine gewisse Identifikationsmöglichkeit bieten.

  • Aber auch Sehnsüchte und Wünsche der Leser müssen durch die Figuren erfüllt werden. Ist der Leser bereit sich mit einer der Figuren zu identifizieren und will mit dieser Figur ein zweites (Buch-) Leben führen, dann will er aber auch in diesem zweiten Leben Dinge tun und Erfolge haben, die ihm im normalen Leben verwehrt bleiben. Das ist der Anspruch vieler Leser und wenn dieser erfüllt wird, sind sie zufrieden und empfinden das Werk in dieser Hinsicht als gelungen.

  • In wie weit ein Autor versucht, irgendwelche vermuteten Sehnsüchte seiner Zielgruppe zu befriedigen, ist seine Sache, tut er dies aber zu vordergründig, kann er schnell beim melodramatisch Trivialen landen, also beim Niveau der berühmt-berüchtigten Groschenromane, wo jeder von Adel ist, einen Doktortitel hat und wunderschön ist – ob das dann noch schriftstellerische Qualität hat, ist zu bezweifeln.

Übung: Notieren Sie, welche Gefühle Ihr Text beim Leser auslösen soll. Tragen Sie dann Ihre Geschichte mehreren Zuhörern vor. Lassen Sie sich anschließend schildern, wie die Geschichte gewirkt hat. Vergleichen Sie die Schilderungen mit Ihren Notizen und fragen Sie sich, ob Sie die richtigen Gefühle mit Ihrem Text transportiert haben. Eventuell korrigieren Sie Ihren Text! Variabler Umfang.

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 9.2

  • - Ein Buch sollte den Leser mitreißen, deshalb sind große Gefühle von entscheidender Bedeutung. Es muss in einer geplanten Geschichte geliebt und gehasst werden und das nicht nur ein bisschen sondern aus voller Kraft und Überzeugung, alles andere bringt nichts! Es muss um Freundschaft gehen, um Geilheit, um Ekel, um Trauer und um all die anderen großen Gefühle, zu denen ein Mensch fähig ist.

  • Einem Autor ist zu empfehlen: Nur keine Zurückhaltung, der Leser will schließlich was erleben!

Übung: Nehmen Sie fünf Seiten Text und dramatisieren Sie heftig!

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