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Allgemeines Vorwort vom Herausgeber und Mitautor Volker Meyer

 

 Eigentlich begann alles damit, dass ich Ideen für meine Bücher sammelte. Das ging so über viele Jahre hinweg, weil ich als selbstständiger Fotograf und freier Journalist ziemlich ausgelastet war und deshalb nur langsam mit der Schreiberei voran kam. Irgendwann interessierten sich aber immer mehr Leute aus meinem persönlichen Umfeld für diese Wortschatz-Sammlung, und der eine oder andere war ziemlich erstaunt, was sich da so alles im Laufe eines Lebens angesammelt hatte.

 

Da ich die Schriftstellerei allerdings nur als mäßig bezahlten Nebenerwerb ansah, verwarf ich zunächst alle Vorschläge, meine Aufzeichnungen einigermaßen zu ordnen, und eventuell einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Als aber auch immer mehr Leute aus der schreibenden Zunft mir Mut zusprachen, und ich mich im gesetzteren Alter auch etwas aus dem Tagesgeschäft zurückziehen konnte, nahm ich die Sache doch noch in Angriff und so liegt nun meine Lebenserfahrung in Bezug auf die Romanschreiberei vor.

 

Die Einschränkung „Romanschreiberei“ ist bewusst gewählt, denn schon der Versuch hierfür, so eine Art von Regelwerk, zu schreiben ist fast unmöglich - das Feld der Schriftstellerei ist einfach zu umfassend, als dass man es in nur einem Buch erklären könnte. Weiter muss man befürchten, dass viele gestandene Schriftsteller, zu den von mir im ersten Teil dieses Buches angesprochenen Themen, konträre Meinungen vertreten könnten. Dies muss man allerdings in Kauf nehmen, denn zu den meisten Problemstellungen, die hier abgehandelt werden, kann es selbstverständlich mehr als nur eine Meinung geben. Also stelle ich hiermit ausdrücklich fest, dass in diesem Buch keine unverrückbaren Wahrheiten niedergeschrieben sind, sondern vielmehr die Sicht der Dinge, wie sie sie sich mir in Hinblick auf die Themenstellungen in Zusammenhang mit der Romanschreiberei darstellen, aufgezeigt wird.

 

Mancher könnte auch fragen, mit welchem Recht ich einfach festlege, dass ein Autor dieses oder jenes tun sollte, oder wie ich begründe, dass die Leser bestimmte Dinge bevorzugen und ob es nicht auch anders sein könnte. Diese Fragen habe ich mir natürlich auch selbst immer wieder gestellt und komme zum Schluss, dass alle - nennen wir es mal Empfeh-lungen - über Jahre hinweg an vielen Werken und bei vielen Gesprächen geprüft worden sind, zwar deswegen noch lange keine unverrückbaren Weisheiten sind, aber doch gut belegte Thesen, die ihre Gültigkeit durch den Erfolg der Werke und Autoren bewiesen haben, unter deren Einfluss sie entstanden.

 

Es wird sicher auch passieren, dass der eine oder andere Nutzer dieser Schrift der Meinung ist, dass diese Rubrik oder jener Eintrag nicht so wertvoll sei, was aus seiner Sicht dann auch stimmen mag, aber ich habe mich im Zweifelsfall für den Eintrag eines Wortes, Satzes oder einer These entschieden, in dem Glauben, dass es irgendjemandem nützlich sein kann. Es ist einfach nur natürlich, dass bei der Menge der gesammelten Ideen, auch mal eine nicht ganz so wertvolle Phrase auftaucht, oder eine Bemerkung, die vielleicht einigen selbstverständlich und daher nicht erwähnenswert erscheint - gut möglich - hier sollte man einfach gelassen weiterlesen.

 

Über die vielen Jahre der Recherche hinweg bin ich darauf gekommen, dass die Schreibratgeber, die heutzutage so in Umlauf sind, sich immer mal wieder auf alt hergebrachte Weisheiten berufen, die zum Teil noch aus dem neunzehnten Jahrhundert stammen. Was damals die Altvorderen sich mühsam abgerungen haben, wird da immer und immer wieder durchgekaut. Vieles von dem ist sicherlich auch heute noch gültig und wird deshalb auch in diesem Buch aufgenommen, aber einiges muss den neuen Zeiten angepasst, oder, unter dem Einfluss der modernen Massenmedienzeit, ergänzt werden.

 

Im Prinzip ist die Schriftstellerei Kunst und über Kunst lässt sich nun mal nicht streiten - alles Ansichtssache. Vielleicht liegt es auch gerade an diesen ganzen Unsicherheiten, dass es ein solches Buch - hier ist ins-besondere der zweite Teil gemeint - wie das hier vorliegende, so noch nicht gegeben hat.

 

 

Wer eine neue Idee hat, ist ein Spinner, bis die Idee eingeschlagen hat.“ Mark Twain

 

 Zunächst folgt allerdings erst einmal Teil 1: das Thesenbuch. Es richtet sich vorwiegend an Lernende in der Schriftstellerei, für etablierte Schriftsteller dürfte vieles schon bekannt sein; „vorwiegend“ deswegen, weil sicherlich auch erfahrene Autoren den einen oder anderen Tipp finden, den sie doch noch nicht kannten, und darüber hinaus weiß jeder, dass sich im Laufe einer langjährigen Tätigkeit eine Art Betriebsblindheit einschleicht, und manches, was man früher einmal gelernt hatte, in Vergessenheit geraten ist.

 

Das hier vorliegende Buch sieht sich in erster Linie als Thesen- und Ideensammlung, an der über viele Jahre hinweg, einige Leute mitgewirkt und ihre Ideen eingebracht haben. Es handelt sich also ausdrücklich um ein Werk, das aus der Praxis kommt und für die Praxis gedacht ist und sich kaum mit den Inhalten eines Deutschunterrichtes, wie Rechtschrei-bung, Zeichensetzung oder Grammatik, befasst. Es ist also keines der üblichen Lehrbücher für den Deutschunterricht, die klären, wie man was, richtig, an welcher Stelle zu schreiben hat - dieses Wissen wird vorausgesetzt. Es soll vielmehr Hilfestellung für diejenigen sein, die sich mit kreativem Schreiben, ihre Brötchen verdienen wollen.

 

Sicherlich wäre man als geübter Schriftsteller auf die meisten Sprüche oder auf die besonderen Wortkreationen in Teil 2 auch von selbst gekommen, aber warum das Rad neu erfinden, wenn man Fahrrad fahren will? Allein schon beim Durchlesen der einen oder anderen Wortsammlung, kommt man auf immer weitere Ideen und schult so seine Wortge-wandtheit und gerade, wenn man vieleicht mit einer Schreibblockade kämpft, können ein paar Anregungen sicherlich hilfreich sein. Auf jeden Fall ist festzustellen, dass man mit Hilfe der vielen kleinen Anstöße, die dieses Buch bietet, deutlich schneller auf eigene Ideen kommen kann, als wenn man, verzweifelt vor dem Rechner sitzend, nach Worten sucht.

 

Auch das leidige Problem, dem Kind einen Namen geben zu müssen, kennt jeder arrivierte Schriftsteller aufs Beste, und da sollte es nicht wundern, wenn man in diesem Buch unter den Namenslisten Anregungen findet. Hier steht ausdrücklich „Anregungen“, denn selbstverständlich kann ein solches Werk, wie dieses, nie allumfassend sein, dafür ist Sprache im allgemeinen zu vielfältig.

 

Wobei wir auch schon beim nächsten Problem wären: Auch objektiv kann diese Sammlung an Thesen, Sätzen und Worten aus der Welt der Schriftstellerei nicht sein, und so wird sich natürlich der ein oder andere Kollege aus der schreibenden Zunft fragen, warum gerade dieses Wort, dieser Name oder jener Satz aufgeführt wurde, wo er, seiner Meinung nach, vielleicht sogar eine bessere Lösung gewusst hätte. Das ist nun mal nicht zu ändern und ist ebenfalls der Mannigfaltigkeit von Sprache und natürlich auch dem Geschmack des Einzelnen geschuldet. Hätte man Angst vor solchen Einwänden, ein solches Buch würde nie entstehen.

 

Das Bewerten von Schriftstellerei ist immer subjektiv, wie schon die lebhaften Diskussionen in den immer häufiger werdenden Kritikerrun-den der verschiedensten Fernsehanstalten zeigen, und deshalb sind auch die Auswahlen und Vorschläge, die dieses Buch bietet, subjektiv. Mit der Aufnahme des einen oder anderen Begriffes oder Satzes in die jeweiligen Auswahllisten in Teil 2 kann also keine Wertung verbunden sein; vielmehr ist versucht worden, aktuell übliche Formulierungen zu archivieren, um dem Schreibenden als Anregung zu dienen.

 

Ähnlich verhält es sich mit den, sagen wir mal „Regeln“, die in Teil 1 in diesem Werk dargeboten werden. Eigentlich kann es bei der Schriftstellerei keine Regeln geben, denn oft ist gerade das Verlassen von alten, ausgetretenen Pfaden der Schlüssel zum Erfolg. Und doch wurde in dieser Schrift gewagt, das Unmögliche zu tun: Es wurden Quasiregeln ge-funden, die z.Z. unter den Romanciers üblich sind und offensichtlich auch von der Leserschaft so akzeptiert und honoriert werden, denn alle „Regeln“, oder sagen wir besser Empfehlungen oder Thesen, wurden von aktuell erfolgreicher Literatur abgeleitet. Dabei wurden, über viele Jahre hinweg, eine umfangreiche Zahl von Romanen ausgewertet und daraus eine Quintessenz gezogen. Bei allen Empfehlungen, die daraus resultierten wurde auf neutrale Formulierungen geachtet, um keine Copyrightverletzungen zu begehen. Diese Vorgehensweise wurde auch bei den verschiedenen Wortschatzsammlungen angewandt. Es gibt also keine wörtlichen Zitate, die nur einem bestimmten Werk oder Autor ausschließlich zuzuordnen wären und deshalb gibt es auch keine Quellenangaben - das ist so gewollt und wird sicherlich auch Kritiker finden; aber auf diese Art und Weise ist es gelungen, Worte, Redewendungen und Sätze zu sammeln, die von den Benutzern dieses Buches so oder ähnlich weiter verwendet werden können, ohne jedes mal um ein Copyright kämpfen zu müssen.

 

Einigen wird es so vorkommen, als dass die angebotenen Empfehlungen sich teilweise zu widersprechen scheinen, was daran liegt, dass diese Schrift sich nicht nur mit einem Genre befasst und dementsprechend kann für einen Arztroman z.B. etwas anderes gelten, als für einen Thriller; außerdem muss an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen werden, dass all diese Empfehlungen zwar fundiert, anhand von gängiger Literatur, gegen geprüft wurden, aber es auch immer im Auge des Betrachters liegt, wie er die Sache sieht und in seinem Roman anlegen möchte - unterhaltende Literatur ist nun mal Kunst und Kunst kann nie eindeutig sein.

 

Einige Tipps sind unkonventionell und entsprechen nicht unbedingt der Linie, die andere Ratgeber in Sachen Schriftstellerei vorgeben; das ist bewusst so gemacht und stellt ein Alleinstellungsmerkmal dieser Schrift da. Anhänger der reinen Lehre, die vielleicht zunächst bei der ein oder anderen Stelle zweifelnd den Kopf schütteln, sei geraten: Erst auspro-bieren und dann vielleicht kritisieren. Es kann nicht schaden, mal was Neues zu wagen und wenn man schließlich doch nicht ganz überzeugt ist, ist das völlig o.k., jeder geht anders an eine Problemstellung heran.

 

Einige Empfehlungen befassen sich mit ähnlich gelagerter Problemstellung und man könnte vielleicht einwenden, dass der eine oder andere Eintrag zugunsten eines anderen gestrichen werden könnte, doch ist es in diesen Fällen immer so, dass ein Problem verschiedenartig angesprochen wurde und auf diese Art und Weise, dem Leser diese Problemstellung unterschiedlich beleuchtet wurde - das hilft oft bei der Einsicht der Dinge.

 

Versucht wurde mit diesem Werk, den Menschen, die sich der Schreiberei widmen wollen, eine Hilfestellung an die Hand zu geben. Eines jedoch kann dies Buch sicherlich nicht leisten: Kreativität zu ersetzen. Vielleicht gelingt dem einen oder anderen, unter Benutzung dieser Thesen- und Sammlungsschrift, ein leichterer Einstieg, vielleicht kann auch ein etablierter Schriftsteller hie und da mal was nachschlagen, aber gute Literatur entsteht immer nur aus der Phantasie der Schreibenden heraus - nichts kann das ersetzen, und das ist doch irgendwie sehr beruhigend.

 

Sollte jemand glauben, dass er nur dieses Buch braucht, um einen Bestseller zu schreiben, wird er schnell merken, dass es so etwas wie eine Geheimformel für kreatives Schreiben nicht gibt.

 

Natürlich: In diesem Buch werden einige Zusammenhänge erklärt, wie man ein gutes Buch anlegen könnte, auch gibt es genügend Wort- und Satzbeispiele, aus denen man sich eigene Kreationen ableiten könnte, vielleicht kann man auch sagen, dass hier einige Regeln oder gar Geheimnisse guter Schreiberei verraten werden, aber die Geschichte mit ihren lebhaften Charakteren, deren Gefühlen, ihren vielleicht farbenfrohen Spielorten und vor allem ihren unglaublichen Erlebnissen, muss jeder Autor in seinem eigenen Kopf aufblühen lassen.

 

Um einen Leser in seine Geschichte zu locken, ihn zu bannen, zu fesseln und schließlich mit einem fulminanten Ende restlos zu begeistern, braucht es schon ein bisschen mehr als nur eine Wortschatzsammlung, aber helfen kann sie sicherlich.

 

Zu wünschen wäre, dass dieses Buch vielleicht der Anstoß sein könnte, zu weiteren theoretischen Auseinandersetzungen mit kreativem Schreiben. Wollen wir also alle hoffen, dass sich auf diesem Gebiet noch mehr Mitstreiter finden, um unseren jungen Nachwuchsschriftstellern zu helfen, mit ihrer Phantasie den Lesern kurzweilige und wundervolle Romane zu schenken. Deshalb hier die eindringliche Bitte auf unserer Club-seite bei der Literatur-Ralley mitzumachen und uns die Lösungen zu Teil 1 dieses Buches zuzuschicken.

 

 Das Autorenteam „Meyer“ 2019